Nun denn,
tapfere Helden, schreiten wir voran mit gezückten Laserschwertern und
versuchen dieser schwarzen Kiste sein Geheimnis zu entreißen. Zeitreise
ist ein beliebtes Thema in der Welt des Science-Fiction, also warum
bedienen wir uns nicht einfach dieses Elements, machen einen Sprung in die
Vergangenheit und tun einfach so, als wenn noch nie jemand dieses Spiel
gesehen hätte.
Die Wurzeln dieses Kartenspiels sind noch etwas weiter in der
Vergangenheit zu suchen (worauf in der Regel auch hingewiesen wird, sehr
löblich!) bei einem Spiel namens SAN JUAN. Wie in diesen werden Sachen
gebaut durch Abschmeißen von Karten, Werden Karten gezogen durch Verkauf
von Waren, gibt es eine Auswahl von verschiedenen Jobs und wer zuerst 12
Sachen gebaut hat, beendet das Spiel. Nun wird geschaut, wieviele Punkte
man gebaut hat und wer die meisten zusammenhat, gewinnt.
So viel zu den Gemeinsamkeiten. Nun wenden wir uns den Unterschieden zu,
die RACE FOR THE GALAXY zu einem sehr interessanten eigenständigen Spiel
machen.
- Beginnen wir mit den Jobs. SAN JUAN hatte fünf Verschiedene, hier sind
es sieben (in der Variante für erfahrene Spieler sogar neun). Jeder hat
seinen eigenen Satz und jeder spielt gleichzeitig und geheim den Job aus,
den er gern durchführen möchte. Dies finde ich die bessere Lösung, zum
einen kann ich damit auch den Bonus nutzen, da ich ja denselben Job wählen
kann, wie meine Mitspieler und zum Zweiten kann ich auf die Aktionen
meiner Mitspieler besser reagieren, da ich ja weiß, wer was machen möchte.
- Die Karten sind deutlich komplexer und bieten mehr Möglichkeiten der
Kombination miteinander.
- Es gibt eine neue Art des Bauens, ohne an die Kartenhand zu müssen, die
so genannte militärische Eroberung.
- Der Hauptunterschied besteht aber im möglichen Stänkern mit den anderen
Spielern, das Verbrauchen. Durch den Verkauf von Ware rege ich den
Verbrauch an. Alle Spieler, die diese Karte gewählt haben, dürfen eine
Ware verkaufen und ziehen damit Handkarten nach, dann muss man schauen, ob
man Karten hat, die durch Abgeben von Waren Siegpunkte oder ebenfalls
Handkarten produzieren. Diese muss man nutzen! Es kann also durchaus
passieren, dass man eine schicke Alienware, für die man 5 Handkarten
bekommen würde, plötzlich für einen lausigen Siegpunkt hergeben muss, so
ein Pech aber auch
- Es gibt noch eine zweite Schlußmöglichkeit. Abhängig von der Spielerzahl
liegt eine Anzahl von Siegpunkten aus. Wenn diese auf 0 reduziert sind,
ist ebenfalls Schluß. Dieses Ende kommt aber relativ selten vor, da die
Karten deutlich mehr Siegpunkte hergeben und man recht selten auf diese
Punkte spielt.
Außer ich spiele gegen diesen vermaledeiten Roboter, der sammelt diese
Punkte so schnell ein, sodass einem nur wenig Zeit bleibt, um in Ruhe
etwas mit den Karten aufzubauen.
„Alarmstufe Rot, Alarmstufe Rot, wir haben ein Zeitparadoxon entdeckt.“
Hoppala, jetzt bin ich doch glatt ein wenig in der Zukunft gelandet. Na,
wenn ich schon mal hier bin, kann ich doch gleich einen kleinen Blick in
die 1. Erweiterung werfen. Damit wird also die Spielerzahl von 2-4 auf 1-5
verändert.
Ein paar neue Karten kommen ins Spiel, es gibt eine Variante für
Extrasiegpunkte, wo man als Erster etwas fertigstellen muss.
Eine reine Regelerweiterung fügt Draftregeln für 2-3 Spieler hinzu.
Dies wird die Sammelkartenspieler freuen, basteln eines eigenen
Kartensatzes ohne zusätzlichen Kauf von Karten.
Aber ein richtig großer Aufwand wurde mit der Soloregel betrieben. Diese
ist zwar spannend, aber nicht wirklich steuerbar, da Sieg oder Niederlage
sehr stark vom Ziehglück des Roboters abhängt.
Und schwupp, sind wir wieder in der Gegenwart und kommen zu einem
abschließenden Urteil!
Mister Spock würde sagen: „Faszinierend!“ Es ist doch erstaunlich, wie
viel man mit ein wenig Regeländerung und –erweiterung erreichen kann.
Da es mittlerweile auch komplett eingedeutscht wurde, wird eventuell die
Fangemeinde noch etwas wachsen. Sicher, Science-Fiction ist nicht gerade
ein Pärchen-Thema, aber meine Frau würde es öfter in der deutschen Version
mit mir spielen, da werde ich wohl in den sauren Apfel beißen müssen und
diese käuflich erwerben.
Vielleicht hat hier ja jemand Interesse an eine englisch-deutsche Version.
Bitte Melden.
Bei der Erweiterung bin ich mir nicht so sicher, ob sich der preisliche
Aufwand für eine Solovariante lohnt (ca. 20€). Der Rest in der Box mit dem
reißenden Titel AUFZIEHENDER STURM ist nettes Beiwerk.
Rezension von Peter Zanow
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