Im Schutze der Burg  
    Autor : Inka und Markus Brand
    Verlag : Eggert Spiele
    2 - 4 Spieler / ca. 1 Stunde Spielzeit
Rezension von Peter Zanow
1 Spielplan
4 Übersichten
23 Bauwerksplättchen
28 Gehilfen
4 Siegpunktanzeiger
83 Rohstoffe
32 Personenkarten
6 Winterkarten
1 Startspieler-Figur
65 Münzen
Gewissenskampf
HEADS OF STATE und IM SCHUTZE DER BURG von eggertspiele

Erstaunlicherweise produziert die Firma eggertspiele immer zwei Neuheiten pro Halbjahr, so auch letztes Jahr für die Essener Spieletage. Da diese Spiele von unterschiedlicherer Qualität nicht sein könnten, kam mir so der Gedanke, dass Herr Eggert da wahrscheinlich einen kleinen Gewissenskampf austragen musste. Wir stellen uns das allzu bekannte Bild von einem Engelchen und Teufelchen, schwebend über einem Kopf, die in einem Streit vertieft sind, vor.
 
„Na! Wollen wir uns mal an ein neues Spiel wagen. Hier gibt es doch etwas richtig Tolles. Karten aus einer Auslage nehmen, diese so arrangieren, dass man Adlige ausspielen kann und dafür Punkte kassieren. So eine Idee gab es lange nicht mehr.“
 
„Nein, nein, das kannst du doch nicht machen. Du hast doch schon ein schönes Spiel, Thema Burgenbau. Vor dir steht eine unfertige Burg, die möchtest du vollenden und damit Punkte kassieren.“
 
„Igitt, bleib mir doch mit diesen ollen Kamellen weg. Rohstoffe sammeln und bauen, Personenkarten benutzen, das ist doch nichts Neues. Aber hier kann man so richtig seinen inneren Schweinehund ausleben, und die Adligen durch Einsatz von Verratskarten wieder abmurksen oder entfernen, wie es hier so schön verharmlosend steht.“
 
„Aber schau dir doch mal diese hässlichen Gestalten auf den Plättchen und Karten an. Und der größte Witz ist ja wohl, dass wir auf einer Europakarte der heutigen Zeit spielen, wo wir doch zeitlich eher im 17. + 18. Jahrhundert spielen. Dagegen dieser schön gezeichnete Spielplan und die Karten erst, eine Augenweide.“
 
„Aber du streitest auch nicht ab, dass wir hier wieder alten Wein in neuen Schläuchen haben, oder?“
 
„Der Wein schmeckt ja dadurch nicht schlechter. Sicher, wir haben Jobkarten, die wir gleichzeitig und geheim ausspielen. Diese sorgen für eine Spielreihenfolge und eine Funktion, die ich nutzen kann.“ „Langweilig!“ „Aber diese Funktionen sind auch interessant verzahnt.

Wenn ich den Steinmetz spiele und jemand anderes einen Arbeiter spielt, kann ich diesen einen seiner gewünschten Rohstoffe abkaufen und derjenige kann sich nicht mal wehren.“ „Wie gemein!“ „Oder ich möchte den Baumeister nutzen, damit ich meine Karten wieder auf die Hand nehmen kann, dann bekomme ich eventuell noch 5 Siegpunkte für jedes gebaute Burgteil in dieser Runde.“ „Wenn ich pokern möchte, mache ich das auch. Dazu brauche ich kein aufgemotztes Burgspiel. Wogegen bei HEADS OF STATE ja die reine Taktik ausschlaggebend ist. Ich nehme entweder 3 Karten oder tausche die Auslage aus und nehme 1 Karte.

Habe ich alle Karten für einen Adligen auf der Hand, die Anzahl der Karten ist vom Rang abhängig, kann ich diesen auf einem entsprechend markiertem Feld auf dem Spielplan ablegen.“
 
„Und die Karten kommen aus dem taktisch gemischten Stapel? Die Schlusskarte wird doch auch eingemischt, oder? Man weiß zwar ungefähr, wann sie auftauchen wird, aber eben nicht genau und dann ist plötzlich Schluss. Ich weiß genau, wann das Spiel zu Ende geht, da wir eine bestimmte Anzahl an Runden spielen, ätsch! Wie bekommst du denn Siegpunkte?“
 
„Also, da gibt es ja so viele Möglichkeiten. Der erste Adlige in einem Gebiet, meine Adlige in jedem Gebiet, als Erster sieben verschiedene Adlige ins Spiel bringen und am Ende des Jahrhunderts die Mehrheit der Einflusspunkte in den 4 Ländern besitzen, dies führt zu den Siegpunkten.“
 
„Na, das ist ja bei mir etwas raffinierter. Durch das Bauen der verschiedenen Burgteile werden Felder freigelegt, die jeder durch Zahlung eines Obolus besetzen kann. Dies regelt die Siegpunktvergabe. Ich kann auf viele Rohstoffe, unbesetzte Felder, ungebaute Burgteile, gebaute Türme oder Häuser und vieles mehr spekulieren. Man sollte sich aber ranhalten, denn das Spiel ist nach 60-90 Minuten beendet und funktioniert auch gut zu zweit.“
 
„Na und? Länger braucht HEADS OF STATE auch nicht. Ich sage nur ungewöhnliches Design zählt mehr als alles Andere.“
„Du meinst wohl ungewöhnlich hässlich und vollkommen glücksabhängiges Design. Wenn der andere Spieler ständig das Glück hat, die richtigen Karten zu ziehen und einen König oder Prinzen nach dem anderen ins Spiel bringt, dazu noch die Hauptstädte besetzt, aus der er kaum zu vertreiben ist, die Attentate auch nur funktionieren, wenn man die richtigen Verratskarten zieht.“
 
„Dafür ist IM SCHUTZE DER BURG nichts Neues, Rohstoffe sammeln, bauen, Siegpunkte kassieren. Kennen wir alles schon!“
„Aber es macht Spaß! Das Spekulieren auf die anderen Mitspieler, die vielen Möglichkeiten und das alles unter 90 Minuten. “
„Au fein, er produziert doch wieder beide.“ „Aber warum denn, IM SCHUTZE DER BURG hätte doch vollkommen gereicht.“
„Nein, HEADS OF STATE wäre vollkommen ausreichend.“ „Gar nicht!“ „Doch.“
 
Gut, an dieser Stelle lass ich die beiden Streithähne mal allein. Wenn es nach mir ginge, dann hätte ich auch nur IM SCHUTZE DER BURG herausgebracht. Bei HEADS OF STATE tauchte bisher überhaupt kein Wiederspielreiz auf. Dagegen konnte IM SCHUTZE DER BURG angenehm überraschen, da es Altbekanntes doch interessant neu vermischte.
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