Bild von 'Im Jahr des Drachen'     Im Jahr des Drachen
    Autor : Stefan Feld
    Verlag : Alea / Ravensburger
    2 - 5 Spieler
  1 Spielplan, 60 Spielkarten,
  90 Personenplättchen,
  66 Palastteile, 36 Münzen,
  24 Reis- und 12 Raketenplättchen,
  12 Ereignisse, 8 Privilege,
   7 Aktionskarten, 5 Drachen,
   2 x 5 Spielsteine,
   1 vierfarbige Spielregel (8 Seiten)
So langsam gelingt es mir, meine Tochter Jessica ( 18 Jahre alt )an das Brettspiel heranzuführen und trotzdem war es schon ein wenig mutig, dieses Spiel auf den Tisch zu bringen, obwohl ich wusste, dass meine Tochter komplexere Spiele eher ablehnt.

Acht Seiten Spielregel, viele verschiedene Kärtchen, Spielsteine, Karten.
Alles Grund genug, dieses Spiel nicht vorzustellen und erschwerend
kam hinzu, dass ich das Spiel vorher auch noch nicht gespielt hatte, wir also gemeinsam den langen Weg der Regelverständlichkeit gehen mussten. Doch es kam alles anders, als ich es befürchtete.

Obwohl die Regel mit acht Seiten eher abschreckend wirken kann,
war sie aber so verständlich geschrieben, dass schon innerhalb
kurzer Zeit - also ca. 15 Minuten - mit dem Spiel begonnen werden konnte.

Und so begannen wir mit der Spielvorbereitung. Das Spiel läuft über
12 Runden, die mit Spielkärtchen, die zu Spielbeginn zufällig auf 12
Felder verteilt werden, angezeigt werden. Jedes Spielkärten - also
jede Runde - hat ein bestimmtes Ereignis. Die ersten beiden Runden
sind immer "Ruhe" also kein Ereignis. Aber ab der dritten Runde
gibt es die Ereignisse : "Kaisertribut", "Dürre", "Drachenfest",
"Mongolensturm" und "Krankheit" die jeweils zweimal vertreten sind.

Es gilt also, sein Spiel immer so auszurichten, dass die Ereignisse
möglichst schadlos überstanden werden und da - wie schon gesagt -
die Reihefolge dieser Ereignisse ab der zweiten Runde zufällig sind,
bietet jedes neue Spiel auch neue Herausforderungen.

Doch beginnen wir mit dem Spielverlauf. Jede Spielrunde ist in vier
Spielphasen eingeteilt. Die erste Phase heißt: "Aktion", für die es
sieben Aktionskärtchen gibt. Diese Aktionskärtchen werden von einem
Spieler zufällig in so viele Gruppen eingeteilt, wie Spieler am Spiel
teilnehmen. Bei zwei Spieler gibt es also zwei Gruppen - vier und
drei Kärtchen. Bei fünf Spieler gibt es fünf Gruppen - zwei Gruppen mit
jeweils zwei Kärtchen und drei einzelne Kärtchen, die jeweils eine
Gruppe darstellen.

Zu Beginn der "Aktionsrunde" stellt jeder Spieler seine Spielfigur,
ein Drachen, auf eine Aktionsgruppe und führt, wenn es mehrere
Aktionskärtchen in dieser Gruppe gibt, eine der Aktionen aus.
Die nachfolgenden Spieler wählen entweder eine andere Gruppe oder
eine schon eine besetzte Gruppe. Steht einer oder mehrere Drachen schon auf einer Gruppe, muss der Spieler 3 Yuan als Währung bezahlen.
Daran erkennen Sie, dass es gut ist, möglichst als erster Spieler seine
Spielfigur setzen zu dürfen, doch da hat sich der Autor Stefan Feld
eine kleine Gemeinheit ausgedacht. Es gibt auf dem Spielbrett zwei
Zählleisten. Eine - wie so oft - Siegpunktleiste, die später über Sieg
und Niederlage entscheidet und eine Personenpunkteleiste, über
die wir jetzt zuerst sprechen wollen.

Wer auf der Personenpunkteleiste vorne steht, darf zuerst seinen
Drachen auf ein Aktionskärtchen stellen.
 
Personenpunkte erhält der Spieler durch den Erwerb von Personen-
kärtchen - in der 2. Spielphase, die ich kurz vorweg nehmen darf,
da die vor dem Spieler ausliegenden Personenkärtchen und die
Aktionen in der Aktionsrunde in unmittelbaren Zusammenhang stehen.
Die Personenkärtchen zeigen einen Zahlwert an, um den die Spiel-
figuren auf der Personenpunkteleiste vorgerückt werden können.
Weiterhin zeigen die Personenkärtchen Symbole an, die "Erträge"
in der Aktionsrunde bringen. Der Nachteil ist: Entweder gibt es
mehrere Symbole, aber wenig Punkte für die Personenleiste oder
umgekehrt. Will ich also viel in der Aktionsrunde "erwerben", kann
es aber nicht, da ich keine Yuan habe und durch den Rückstand
auf der Personenleiste nicht mehr die freie Auswahl bei den Aktionen
habe ... und dann muss ich ja auch noch an die Ereignisse der
aktuellen und bestenfalls auch noch nächsten Runde denken.

Merken Sie was ? In diesem Spiel ist nicht Reis sondern Pfeffer drin.

Da ich so gerne von einer Phase in die nächste springe, kommen wir
wieder zurück zur Phase 1. Welche Aktionskärtchen gibt es denn so ?

Steuer:
Wer diese Aktion ausführt, erhält zwei Münzen, die auf der Aktions-
karte abgebildet sind und für jedes Personenkärtchen "Steuerein-
treiber", das der Spieler vor sich liegen hat.

Bau:
Auf dem Aktionskärtchen ist ein Hammer abgebildet.
Für diesen Hammer und für jeden weiteren Hammer, den der
Spieler auf seinen "Handwerkern" abgebildet hat, erhält er
ein Palastteil - na Bravo ! - muss kurz aus Phase 1 raus.

Zu Beginn des Spiels bekam jeder Spieler zwei Palastteile.
Palastteile können entweder einzeln oder in Gruppen übereinander
( höchstens drei Palastteile ) gelegt werden. Unter jedes Palastteil
passt ein Personenkärtchen. Hat ein Spieler ein oder mehrere Palastteile, unter denen kein Personenkärtchen liegt, triff am Ende der dritten Phase Verfall ein, es muss ein Palastteil entfernt werden.

Wo waren wir stehen geblieben ? ach ja .... zurück zur Phase 1.

Ernte:
Hier erhält der Spieler Reissäcke und ab jetzt springe ich immer
wieder einmal zur Phase 3: die Ereignisphase.
Reissäcke werden für das Ereignis ""Dürre" benötigt. Für jeden
Palast, den der Spieler hat, braucht er einen Reissack. Wer für
einen Palast keinen Reissack hat, verliert aus diesem Palast ein
Personenkärtchen.

Feuerwerk:
Hier werden Feuerwerkskörper ausgegeben, die in Phase 3
für das Ereignis "Drachenfest" benötigt werden. Wer in dieser
Ereignisphase die meisten Feuerwerkskörper besitzt erhält
6 Siegpunkte und er Zweitbeste immerhin noch 3 Siegpunkte.
Auch hier gilt wie bei allen anderen Aktionen, dass der Spieler
so viele Feuerwerkskörper ( Reis oder was alles noch kommt )
erhält, wie er auf seinen vor sich liegenden Personenkärtchen
an Symbolen abgebildet sieht. Diese Erklärung schenke ich
mir demnächst, denn dies wiederholt sich jetzt bei jeder Aktionsphase.

Heerschau:
Wählt der Spieler diese Aktion, erhält er für jedes Helm- Symbol 
auf seinen Kriegern ( ein Personenkärtchen ) und dem Helm
auf der Aktionskarte das Recht, pro Helm ein Feld auf der
Personenpunkteleiste vorzurücken.

Studium:
Wer Personenkärtchen "Gelehrte" besitzt, könnte diese Aktion
wählen. Für jedes dort abgebildete Buch und dem Buch auf
dem Aktionskärtchen selbst, darf der Spieler um einen Punkt
auf der Siegpunktleiste vorrücken.

Privileg:
Hier darf der Spieler ein kleines ( 2 Yuan ) oder großes ( 6 Yuan )
Privileg kaufen und erhält dafür Runde für Runde 1 oder 2
Siegpunkte.

Na also, die erste Phase haben wir geschafft.

Die zweite Phase ist die Personenphase und schnell erklärt.
Jeder Spieler hat Spielkarten mit den angebotenen Personen
auf der Hand, die er jetzt spielen kann. Jede Person ist einmal
vorhanden - zwei Joker geben noch etwas Spielraum.
Nach dem der Spieler seine ausgesuchte Karte gespielt hat,
nimmt er sich das entsprechende Personenkärtchen vom Spielplan
und legt es unter einen seiner Paläste.

Beginnen wir mit der dritten Phase: Ereignisphase.

Die ersten  beiden Ereignisse sind uns schon bekannt.
Die "Ruhephase" - hier hat der Spieler die Möglichkeit,
in aller Ruhe die Vorbereitungen für die kommenden
Ereignisse zu treffen.

Ab Runde drei kommen dann die zufällig verteilten Phasen.

Kaisertribut:
Jeder Spieler muss 4 Yuan bezahlen.
Für jeden nicht gezahlten Yuan muss er eine Person abgeben.

Dürre:
Kennen wir schon aus Phase 2. Hier braucht der Spieler
Reissäcke, die er in der Aktionsphase erworben hat ( oder eben nicht ).

Drachenfest:
Kennen wir auch schon, Siegpunkte für die beiden Spieler mit
den meisten Raketen.

Mongolensturm:
Hier zählen die Anzahl Helme der erworbenen Krieger Personenkarten.
Pro Helm ein Feld auf der Siegpunktleiste vor.
Der Spieler mit den wenigsten Helmen, muss eine Person entlassen.

Krankheit:
Jeder Spieler muss drei Personen entlassen.
Gegen die Krankheit schützen nur Heiler ( Personenkärtchen ).
Jeder dort abgebildete Mörser rettet eine Person.

Fertig !

Phase 4: Wertung

Jetzt gibt es zusätzliche Siegpunkte.
Für jeden Palast, jeden Drachen auf einer Hofdame und für
die Privilegien. Neue Runde - neues Glück.

Nach der zwölften Runde endet das Spiel mit einer Schlußwertung.
Für jede Person, die der Spieler besitzt, erhält er zwei Siegpunkte.
Für Mönche auf den Buddhas ( Personenkärtchen ) gibt es
ebenfalls Siegpunkte und zwar Anzahl der Mönche X Stockwerke
des Palastes. Für das Restgeld eines jeden Spielers erhält er pro
3 Yuan einen Siegpunkt.

Wer die meisten Siegpunkte besitzt, gewinnt das Spiel.

Fazit:
Meine Tochter Jessica ist begeistert. Ich bin begeistert und alle,
die das Spiel mit mir gespielt haben, sind ebenfalls begeistert. Obwohl
diese Rezension so klingt, als ob es sich um eine sehr komplexes
Spiel handele, ist dies nicht der Fall. Durch den logischen Spiel-
verlauf und der optimal in sich greifenden Spielelemente, ist dieses
Spiel schnell zu erlernen - aber - sehr schwer zu spielen.
 
Keine Glückselemente, viele Überlegungsmöglichkeiten, spannender
Spielverlauf und immer neue Herausforderungen durch das zufällige
Legen der Aktionskärtchen, lassen keinerlei Wünsche offen.

Schönes Spielmaterial runden das Gesamtbild ab.

Stefan Feld ist ein sehr schönes, anspruchsvolles Spiel gelungen. 
 
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