Na gut ....
setzen wir uns zusammen und spielen wir einmal Bauer.
Nicht gerade mein größter Wunsch, da dies in der Realität schon
an den frühen Zeiten des Arbeitsbeginnes scheitern würde und
das Thema selbst mich auch nicht gerade vom Hocker reißt.
Aber da finden sich vier Spieler, von denen ein Spieler begeistert von
einem Spiel berichtet und da wiegt die Neugier mehr als die Abneigung
zu einem Thema. "Erschreckend", denke ich erstmal, als ich das
Spielmaterial sehe und noch erschreckender finde ich die umfangreiche
Spielanleitung. Warum lasse ich mich immer wieder auf solche Dinge
ein. "Alles viel einfacher als es aussieht" ermuntert da der Mitspieler
und fängt an, die Spielanleitung zu erklären.
Nach gut 20 Minuten habe ich ein Regelwissen erreicht, was nach
Auskunft des Mitspielers reicht, um das Spiel zu beginnen. Na dann
wollen wir mal. Zwei Spielsteine habe ich vorerst, die auf zwei Hütten
stehen - das Bauernhaus. Mann und Frau will ich mal annehmen und
beide helfen dabei, den Ertrag zu steigern.
Zwei Spíelsteine, also zwei Aktionen und dies bedeutet, dass ich die
Spielsteine auf Aktionsfelder legen kann, die mir Holz, Nahrungseinheiten,
Lehm, Schilf, Stein, Getreide, Gemüse, Schaf, Wildschwein oder Rind
bringen können. Anfangs habe ich nur einige Aktionsfelder zur
Verfügung, die sich aber pro Runde um ein weiteres Aktionsfeld erweitern.
Schön ist, dass auf den meisten Aktionsfelder die Rohstoffe
ansteigen, wenn sie in der vorherigen Runde nicht genutzt wurden.
Ich beginne! Setze erstmal einen meiner Spielsteine auf das Aktionsfeld
"3 Holz" und nehme mir die dort liegenden drei braunen
Spielsteine.
Dann sind erstmal meine Mitspieler an der Reihe und da ich als dann
"2 Lehm" nehmen
wollte, hat dieses schon einer meiner Mitspieler bestetzt und ich muss ein
anderes Aktionsfeld nehmen.
Später nutze ich "Acker pflügen" und nehme mir ein Ackerplättchen,
dass ich auf meinem Bauernhof auslegen kann. Der Bauernhof
ist ein vor mir ausliegender Spielplan, der mehrere Baufelder zur
Verfügung hat und zum Spielbeginn mit den beiden Hütten belegt
ist. Auf meinen Acker lege ich ein Getreide und erhalte zwei
weitere
Getreide dazu, die ich einzeln dann in der "Erntezeit" erhalte. So
steigere ich meine Getreidevorräte und mit Gemüse geht dies fast
genau so - außer dass ich nur ein Gemüse dazu erhalte.
Wenn ich genügend Holz habe, kann ich "Zäune bauen" nutzen und
erhalte pro Holz einen Zaun aus meinem Vorrat. Diese lege ich dann
auf meinem Bauernhof so aus, dass es eine oder mehrere Weiden
gibt, auf die ich dann die Tierarten unterbringen kann. Und da ich pro
Weide nur zwei Tiere einer Art hinstellen kann, ist ein Stall sehr
hilfreich,
der die Anzahl der Tiere pro Weite verdoppelt.
Aber warum dies alles? Einmal um Siegpunkte zu erhalten und einmal
um meine Bauern zu ernähren, denn in der 4., 7., 9., 11., 13. und
letzten
14. Runde gibt es die "Erntezeit". Außer dass ich mein Getreide und
Gemüse ernten kann, muss ich jetzt auch die Bauern mit Ernährungs-
einheiten ernähren. Kann ich dies nicht, erhalte ich "Bettlerkarten"
die minus drei Siegpunkte zählen.
Das mit der Ernähung ist so eine Sache. Ständig habe ich den Konflikt
möglichst viele Siegpunkte zu erhalten und die Ernährung nicht aus
den Augen zu verlieren. Doch viele Hilfsmittel ermöglichen mir, die
Ernährungsfrage in den Griff zu bekommen. So baue ich eine
"Feuerstelle" um Gemüse, Schaf, Wildschweine und Rinder direkt
in der "Erntezeit" in Nährungseinheiten umwandeln zu können.
Dies sind "große Anschaffungen", die durch besetzen eines Aktions-
feldes mit Rohstoffen erworben werden können. Da gibt es
Feuerstelle, Kochstelle, Lehmofen, Steinofen, Tischlerei, Töpferei,
Korbflechterei und einen Brunnen. Letztlich sind es alles Hilfsmittel,
um seine Siegpunkte zu steigern oder die Ernährung zu sichern.
Doch irgendwann reicht nicht mehr die Ernährung zu sichern, da hat
der Bauer andere Ziele. Er will seine Hütten erweitern und renovieren,
will Zuwachs haben und Zuwachs ist gut, denn der weitere Spielstein
ermöglicht einem in den Folgerunden auch eine weitere Aktions- möglichkeit.
Der Zuwachs will aber auch ernährt sein.... alles hat
immer so seine Vor- und Nachteile.
Und hat man dann so sein erstes Spiel über 14 Runden gespielt,
wird die Profiversion ausgepackt, die mit zusätzlichen Aktionskarten,
die jeder Spieler vor Spielbeginn auf die Hand bekommt, neue
Vorgehensweisen ermöglicht, um seine Ziele zu erreichen.
Aber was ist das Spielziel? Siegpunkte! warum auch nicht.
Da werden die Anzahl Äcker, Weiden, Gemüse, Schafe, Wildschweine,
Rinder, ungenutzte Hoffelder, eingeräumte Ställe, Lehmhütten,
Steinhausräume, Anzahl Familienmitglieder, Punkte auf Karten
und Sonderpunkte errechnet und wer die meisten Punkte hat,
ist der Gewinner.
Bitte entschuldigen Sie, dass 16 Seiten Anleitung in einer Rezension
unmöglich umzusetzen sind, ohne Sie gründlich zu Langweilen.
Wichtig zu wissen ist, dass Sie kein Spiel erleben werden, dass dem
anderen Spiel gleicht, dass die Vielzahl der Aktionsmöglichkeiten
jedem Spieler unbegrenzte Entscheidungsmöglichkeiten eröffnet
und dass bis zur letzten Runde jeder Spieler den Kampf zwischen
Ernährung und Profit möglichst geschickt bewältigen muss.
Fazit:
Nur selten haben Spiele so viel "Wirbel" ausgelöst, wie Agricola.
Reichlich Auszeichnungen zeugen von einem Superspiel und
eine große Fangemeinde vertritt mit Macht den Anspruch, dass
es Agricola gibt und halt andere Spiele.
Doch Spiele sind halt "Geschmacksache" und über Geschmack
lässt sich nicht streiten. Ich bin mir nicht so sicher, ob es meinen
Geschmack vollends getroffen hat.
Uneingeschränkt gebe ich zu, dass ich selten ein Spiel gespielt
habe, dass mit einer solchen Vielzahl von Aktionsmöglichkeiten
bis zum Spielende den Spannungsbogen aufrecht halten kann.
Doch für wen ist dieses Spiel geeignet?
Da werden wohl die Spieler, die anspruchsvolle und komplexe
Spiele suchen, sofort "Hier" schreien. Aber was ist mit Spielern,
die eher ein familientaugliches Spiel suchen? Was ist mit den
Spielern, die eher ein schnell aufgebautes, kurzes, unkompliziertes
und schnelles Spiel suchen?
Da stößt Agricola an Grenzen.
Für mich persönlich bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Einsteils
hat mir das Spiel viel Spaß gemacht. Andererseits schrecke ich
vor Spielen zurück, die erst einmal gar nicht beginnen, da jeder
Spieler damit beschäftigt ist, seine zusätzlichen Aktionskarten
zu lesen, um sich eine Plan zu erschaffen, das Spiel zu gewinnen.
Und da bleibt irgendwie auch ein Eindruck, dass ich doch sehr
stark davon abhängig bin, was andere Spieler vor mir für
Aktionsfelder nutzten. Wenn ich endlich einmal genügend
Ernährungseinheiten besitze und auch mal "Zeit" hätte, meine
Ställe zu bauen oder Häuser zu renovieren - was nutzt mir
dies alles, wenn mein Mitspieler die entsprechenden Aktions-
felder vor mir belegt haben. Und habe ich endlich einmal alles
im Griff und kann jetzt so richtig loslegen, schöne Siegpunkte
zu erarbeiten, ist das Spiel schon zu Ende.
Und wenn man wie ich, in 18 Jahren 70 wird, schreckt auch eine
16seitige Spielanleitung eher zurück.
Für den richtigen Spielkreis ist Agricola sicher eine echte
Herausforderung. Für den Spieler, der eher zum Gelegenheitsspieler
gehört oder den Spieler, der ein Familienspiel sucht, ist zu
empfehlen, das Spiel vorher irgendwo zu testen. |